VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Sektion beider Basel
VCS / ATE / ATA

«Politisch entzerrtes» Richtplan-Splitting

Die Regierung legt eine Richtplan-Anpassung vor, die nur die halbe Wahrheit zeigt. Die Stadt soll baulich verdichtet werden, ohne dass aufgezeigt wird, mit welchen konkreten Massnahmen der platzraubende Autoverkehr in die Schranken gewiesen wird. Mobilitäts- und Umweltfragen sollen auf spätere separate Anpassungen verschoben werden, um das Geschäft «politisch zu entzerren». Gegen dieses Richtplan-Splitting wehrt sich der VCS beider Basel.

Die Richtplan-Anpassung «Siedlungsentwicklung», die bis letzten Freitag in der Vernehmlassung war, propagiert eine starke bauliche Verdichtung der Stadt bis 2035. Dannzumal sollen 220'000 Einwoh-nerInnen und 220'000 Beschäftigte in Basel leben und arbeiten. Eine Siedlungsverdichtung nach innen ist grundsätzlich richtig, um die Zersiedlung zu bremsen. Die Herausforderung ist aber, wie das zusätzliche Mobilitätsbedürfnis (Menschen und Güter) bewältigt wird. Die Vorlage verzichtet explizit auf konkrete Angaben dazu. Fragen zu Mobilität und Verkehrsinfrastrukturen sowie zur Umwelt sind ausgeklammert und sollen auf spätere separate Richtplan-Anpassungen vertagt werden. Das erach-tet der VCS beider Basel als grundfalsch. Siedlungsentwicklung und Verkehr müssen immer koordi-niert betrachtet und aufeinander abgestimmt werden. Es muss klar sein, mit welchen konkreten Verkehrs- und Umweltauswirkungen Siedlungsverdichtung stattfinden soll. Dieser zersplitterten Richtplan-Anpassung aber fehlt die Umweltetikette.

«Politisch entzerren» was zusammengehört?

Die Vorlage liefert keine sachliche Begründung, weshalb die Siedlungsverdichtung im wichtigsten Planungsinstrument der Regierung ohne die zugehörige Verkehrsfrage festgelegt werden soll. An einer Informationsveranstaltung wurde erklärt, die separaten Anpassungen nach Themenbereichen würden die Richtplan-Debatte «politisch entzerren». Der VCS verlangt, dass gemeinsam entwickelt wird, was zusammengehört und lehnt politisches ‹Versteckis› ab. Es muss alles auf den Tisch. Nicht von ungefähr verlangt der Bund auch bei den Agglomerationsprogrammen genau das: die Koordina-tion von Siedlungsentwicklung und Verkehr.

Platzraubender Autoverkehr limitieren

Gleichviele EinwohnerInnen wie Beschäftigte bedeutet keineswegs automatisch weniger Berufs-Pendlerverkehr. Wer Siedlung verdichten will, muss das Verkehrsaufkommen mit dem gefrässigsten Raumbedarf (fahrend und stehend) rigoros limitieren. In einer verdichteten Stadt hat der platzrau-bende Autoverkehr noch weniger zu suchen. Er muss den geraubten Platz zurückgeben für Grün- und Freiräume, damit das Aufwachsen und Leben in einer dichten Stadt familienfreundlich und gesund bleibt.

Kontaktinformationen

Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin, 076 584 11 77